Im Geiste Winston Churchills

In Großbritannien sorgt die English Defence League für Aufregung und Verwirrung

Mitte Januar 2010 verkündete die English Defence League (EDL) auf ihrer Internetseite ein „freudiges Ereignis“. „Zusammen mit anderen Beteiligten“ hätte man „so viel Druck auf die Regierung aufgebaut“, dass die um ein Verbot der Gruppe Islam4UK nicht mehr umhingekommen sei. Was war geschehen? Ende letzten Jahres kündigte die seit Jahren in Großbritannien aktive Islamistengruppe an, 500 leere Särge im Gedenken an die Moslems, die „im Namen von Demokratie und Freiheit umgebracht wurden“ (Taz, 6.1.09), durch Wootton Bassett tragen zu wollen, dem Ort, an dem traditionell das erste öffentliche Gedenken der in Auslandseinsätzen gefallenen britischen Soldaten stattfindet. Die Ankündigung von Islam4UK löste eine Welle der Empörung aus. Eine Gruppe auf Facebook, die aus Protest gegen das Vorhaben der Islamisten entstand, wurde laut Daily Mail binnen kürzester Zeit von 400.000 Leuten unterstützt und auch Premier Brown zeigte sich „entsetzt und angewidert“ (FAZ, 6.1.10). Für die EDL war das der bisherige Höhepunkt im Kampf gegen Islamisten, den sie seit ihrem Bestehen im Sommer 2009 vor allem mit zahlreichen Demonstrationen im ganzen Land führt, an denen sich immer zwischen 500 und 1.000 Personen mehrheitlich aus dem Fußballmilieu beteiligten.

Die Auftritte der EDL stießen dabei in der britischen Öffentlichkeit auf breite Ablehnung. Von einer „mysteriösen Gruppe“ (BBC), einer „BNP light“ (Times) und von „Faschisten“ (Jewish Chronicle) mit einer „Botschaft des Hasses“ (Searchlight) war und ist die Rede. Die Entstehung der losen Gruppierung, die längst auch einen walisischen (Welsh Defence League) und schottischen (Scottish Defence League) Ableger vorweisen kann und als „Kind des Internets“ (Telegraph) nach eigenen Angaben rund 3.700 Mitglieder hat, geht auf ein Ereignis zurück, das eng mit Islam4UK verknüpft ist. Als am 24. Mai 2009 in der nördlich von London gelegenen Stadt Luton die Islamisten unter Führung ihres Kopfes Anjem Choudary zum wiederholten Male am Rande einer Parade britischer Truppen protestierten, geschah es. Choudary und seine Leute, die ein gerade aus dem Irak zurückgekehrtes Bataillon des Royal Anglian Regiments auf Schildern unter anderem als die „Schlächter von Basra“ beschimpften, wurden von einer Gruppe junger Briten attackiert, die sich selbst als United People of Luton bezeichneten. Für das Selbstverständnis der EDL und den Grund ihrer Entstehung ist dieses Ereignis von zentraler Bedeutung. In ihrer Selbstdarstellung heißt es: „Das Maß war voll, als die tapferen Soldaten der Royal Anglian Regiments vom Dienst im irakischen Basra nach Luton zurückkehrten. Viele von ihnen hatten Freunde verloren, die ihrem Land dienten, ebenso wie zahlreiche Familien ihre Liebsten verloren hatten. Bei ihrer Ankunft in Luton wurden sie durch eine absolut widerliche Demonstration muslimischer Extremisten begrüßt. Sie beschimpften sie als ,Kindermörder‘, ,Schlächter‘ und verspotteten die toten Kameraden. Die Polizei zeigte mehr Einsatz gegen die patriotischen Leute Lutons, die sich diesen abscheulichen Exemplaren in den Weg stellten, statt etwas gegen die Extremisten zu unternehmen, die ihren Hass gegen dieses Land und unsere Soldaten herausschreien, während sie gleichzeitig die Vorzüge genießen, die wir, die Steuerzahler, ihnen bieten.“

Kein Kapitulation

Zwei Stichworte zum Verständnis der EDL sind mit diesem Zitat gegeben. Sie versteht sich als patriotisch und als die Stimme des einfachen Volkes, das hier Steuerzahler genannt wird. Die EDL-Internetseite gibt auf die selbst gestellte Frage „Wer ist die English Defence League?“ eine ausführlichere Antwort: „Die EDL [...] wurde aus Frust über den Mangel an entschiedenem Vorgehen der britischen Regierung gegen extremistische muslimische Prediger und Organisationen wie Islam4UK oder Hizb ut Tahrir gegründet. Wie viele Bürger Englands und des restlichen Vereinigten Königreiches setzten wir viele Jahre auf unsere Regierung und haben abgewartet [...]. Wir haben genug von der Ignoranz unserer Regierung gegenüber dem Problem selber [...]. Die fördert lieber eine politisch korrekte Kultur mit Nachsicht für Dschihad-Prediger. Nur ein paar Beispiele von vielen sollten ausreichen, um die zerstörerische Wirkung dieser Nachsicht auf unser Leben zu demonstrieren. Eines von ihnen bezieht sich darauf, dass in einem Land, das zwar weitgehend säkular, doch offiziell immer noch christlich ist, Krippenspiele an vielen Schulen verboten wurden, um Muslime nicht zu beleidigen. Darüberhinaus wird Halal-Fleisch, gegen das man viele Einwände aus Gründen der Tierquälerei geltend machen könnte, als einzige Option in vielen Schulen angeboten. [...] Wie stark das Englischsein in England ausgegrenzt wird, verdeutlicht sich daran, dass der St. Georgs-Tag in vielen Städten und Gemeinden nicht mehr anerkannt ist und die St. Georg-Flagge [gemeint ist die rot-weiße Fahne Englands, S.P.] von einigen sogar verboten wurde, weil sie beleidigen könnte. Diese Kapitulation vor muslimischen Extremisten breitet sich im ganzen Land aus. Wir denken, es ist an der Zeit, dass die Menschen gegen diesen islamistischen Angriff und die politische Korrektheit, die diesen zu beschwichtigen versucht, für die englische Kultur aufstehen sollten. Aus diesem Grund werden wir zusätzlich zu unseren Demonstrationen gegen jede Verwaltung oder lokale Regierung protestieren, die sich an unseren traditionellen englischen Feiern, von Weihnachten bis zum St. Georgstag, zu schaffen macht.“

Die angeführten Beispiele sind nicht an den Haaren herbeigezogen, sie sind seit Jahren britische Realität. Und es werden immer mehr und immer absurdere Kotaus vor dem Islamismus gemacht: Als besonderer Höhepunkt darf das Einreiseverbot für den Holländer Geert Wilders von Anfang 2009 gelten. Zur Begründung für diesen einmaligen Vorfall im Umgang mit einem EU-Parlamentarier innerhalb der EU wurde wie zur Illustration der von der EDL beklagten „Nachsicht“ und „Kapitulation“ die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit Großbritanniens angeführt.

Handelt es sich bei der EDL aber nicht auch um eine Art Dschihad-Prediger der anderen Seite, die im Grunde nur das Spiegelbild des islamistischen Angriffes abgeben, im Namen einer nebulösen englischen Kultur? Findet man also hier nicht eins zu eins die Programmatik der in der letzten Zeit stärker gewordenen Ausländerfeinde von der British National Party (BNP) wieder, die gegenwärtig erstmalig über zwei Abgeordnetenplätze im Europarlament verfügt? Alles andere als aus der Luft gegriffen scheint es zu sein, öffentlich eine ideologische Nähe zur BNP und dessen Führer Nick Griffin herzustellen und der EDL vorzuwerfen, ihre Verlautbarungen wären wie bei der BNP auch nichts als ordinärer Fremdenhass. Was sagt die EDL selbst dazu? Wer kann bei ihr mitmachen? Verhält es sich wie bei der BNP, der nur beitreten darf, wer „indigen kaukasischer“ Abstammung ist und die nur hellhäutige Menschen zu den „bodenständigen britischen ethnischen Gruppen“ zählt? (1): „Einige Organisationen und Medien-Berichte haben die EDL als ,rassistisch‘, ,faschistisch‘ (oder) ,weit rechts‘ gebrandmarkt. All diese Vorwürfe sind völlig unwahr. Wir beziehen eine aktive anti-rassistische und anti-faschistische Position. Darüber hinaus ist die EDL unpolitisch und positioniert sich nicht rechts vs. links. Wir freuen uns über Mitglieder aus allen politischen Spektren [...]. Kurz gesagt, laden wir Menschen aller Ethnien und Religionen ein, sich daran zu beteiligen, unsere schlafende Regierung wachzurütteln, endlich den Jihad in unserem Land zur Kenntnis zu nehmen und das zu erledigen, was die Grundlagen der Freiheiten bedroht, die so teuer von vorangegangen Generationen für uns erkämpft wurden. Zu viele Engländer haben Angst, sich zu erheben und ,Genug!‘ zu rufen, weil sie fürchten, als ,Rassisten‘ abgestempelt zu werden. Wir hoffen, wir können das ändern.“ Anders als bei der BNP wird also niemand auf Grund ethnischer oder kultureller Herkunft ausgeschlossen, auch keiner der rund zwei Millionen britischen Moslems. Die aber plädieren der letzten großen Umfrage von 2005 zufolge zu 61 Prozent für die Einführung der Scharia untereinander und bestehen zu 88 Prozent darauf, dass sich Schulen und Arbeitsplätze den moslemischen Gebetszeiten anzupassen hätten. (2) Es ist deshalb empirisch abgesichert, wenn die EDL nicht nur auf den Umstand hinweist, dass „über einhundert Sharia-Gerichte in diesem Land operieren, die den Muslimen den Zugang zum britischen Recht verwehren“, sondern sie darüber hinaus diese weit verbreitete Praxis innerhalb der moslemischen Gemeinden als einen wesentlichen Hinderungsgrund dafür benennt, dass sich die Moslems nicht besser „in das normale britische Leben integrieren“ können (a.a.O.).

One nation – one law

Dass sich Antifaschismus und britischer Nationalismus nicht ausschließen, der Patriotismus sich gegen den Faschismus im allgemeinen und den Nationalsozialismus im besonderen gar als wirksames Gegengift erwies, wollen britische Linke bis heute nicht wahr haben – nicht zuletzt, um über das eigene komplette Versagen damals schweigen zu können. Das gipfelte darin, dass die britische Linke links von Labour sich neben den britischen Faschisten als die erbittertsten, zum Glück aber weitgehend einflusslosen Feinde Winston Churchills erwiesen. Spätestens seit dessen berühmter „Blut, Schweiß und Tränen“-Rede von 1940, die ganz bewusst und mit durchschlagendem Erfolg auf die patriotischen Gefühle der Briten zielte, lässt sich nicht mehr bestreiten, dass sie mit dem Antifaschismus vereinbar sein können. (3) Nicht zufällig hat sich dann auch ein Redner während der ersten EDL-Demonstration des Jahres 2010 auf eine Churchill-Rede dieser Zeit berufen. (4) Und ebenfalls alles andere als zufällig war dieses EDL-Mitglied ein bekennender Sikh: „Unsere Nation kämpfte für Freiheit und sie schützte die Freiheit im Zweiten Weltkrieg. Und heute sind die Freiheiten von muslimischen Predigern und ihren Sympathisanten bedroht, die die Scharia in dieses Land bringen wollen“, verkündete einer mit Namen Guramit Singh. Was diesem Patriotismus nämlich wesentlich eignet, ist die Überzeugung, dass die Herkunft im Gegensatz zum Bekenntnis eine zu vernachlässigende Größe ist. Auf ebenjener Demonstration brachte das ein – nach geltendem Sprachgebrauch – „afrokaribisches“ EDL-Mitglied in seiner Rede an die versammelten Demonstranten zum Ausdruck: „Ich sehe die EDL als eine Verteidigerin meines Interesses, als schwarzer Mensch in einer Gesellschaft leben zu können, in dem die Hautfarbe keine Rolle bei der Funktionsweise der Gesellschaft spielt. So wie Martin Luther King es vor vielen Jahren in seiner berühmten ‚I have a dream‘-Rede sagte.“ (www.englishdefenceleague.org)

Wofür der Patriotismus die EDL-Verantwortlichen aber notwendig blind macht, ist, die Schwäche beim Kampf gegen die Bedrohung der Freiheiten gerade auch als Erbschaft britischer Patrioten zu begreifen. Zur Zeit des Falkland-Krieges nämlich gewann eine Politik die Oberhand, die die „Funktionsweise“ der Gesellschaft mit ihrem Gerede von den „Individuen“, die man statt einer Gesellschaft nur noch kennen würde, grundlegend zur Disposition stellte. Dem Thatcherismus ist deshalb nicht die Entstaatlichung der Gesellschaft zum Hauptvorwurf zu machen, wie es die britische Linke bis heute tut. Der Vorwurf müsste vielmehr lauten, dass er darauf verzichtete, die einheitlichen Grundlagen der Gesellschaft überhaupt auf einen Nenner bringen zu wollen. So machte ausgerechnet der Thatcherismus den Weg erst endgültig frei für die Freunde der Communities, cultural studies und der Scharia, bei denen Herkunft und Hautfarbe eine Rolle spielen, wie sie sich Martin Luther King in seinen kühnsten Alpträumen nicht ausmalte.

Ein führendes Propagandaorgan dieser Freunde ist das Antifa-Magazin Searchlight, dessen Macher mit denen des deutschen Antifa-Infoblattes (AIB) zwar den Rechercheeifer teilen, das in England aber im Gegensatz zum AIB in Deutschland als seriöse Instanz allseits geschätzt wird. Searchlight fällt es schwer, die EDL in das vorgefertigte Nazi-Korsett zu zwängen. Dies umso mehr, als das Blatt ebenso wie die links von Labour im einschlägigen Milieu schier übermächtige trotzkistische Socialist Workers Party (SWP) ausgerechnet seit den Londoner Bombenanschlägen vom 7. Juli 2005 jede Form von öffentlicher Kritik am Islamismus (!) unterlässt und stattdessen alles Augenmerk auf die Bekämpfung von Islamophobie legt. (5) Es verwundert also nicht, wenn Nick Lowles, der medial sehr präsente Herausgeber von Searchlight, gegenüber BBC die EDL erst entlastet, um sie dann aber umso härter abzuurteilen: „Ich kann nicht sagen, dass jeder EDL-Verantwortliche ein Faschist oder Hardcore-Rassist ist, aber wenn Sie die Symbole, Rufe und das Auftreten gesehen haben, dann ist das anti-muslimisch – und das ist Hetze“ (news.bbc.co.uk).

Demonstrationen der EDL gleichen optisch den Auftritten von Fußball-Meuten anlässlich eines Spieles der Nationalmannschaft. Man zeigt massenhaft England-Fahnen, es wird gegrölt und gesungen was das Zeug hält, kraftmeiernd posiert und England wie der eigene Lieblingsklub bejubelt – getrunken allerdings wird während der Demonstrationen nicht. 95 Prozent der Teilnehmer sind hellhäutige Männer, von denen viele – wie in Großbritannien nicht unüblich – eine Haarlänge von unter einem Zentimeter vorweisen und die typisch englische Working-Class-Attitüde zur Schau stellen. Vertreten sind wohl alle sozialen Schichten außer der akademisch-universitären. Das Altersspektrum reicht von 15 bis 60, wobei die 20- bis 40-jährigen die Mehrheit ausmachen. So etwas wie eine Demonstrationsordnung kennen sie schon deshalb nicht, weil sich unter ihnen keine Berufsdemonstranten befinden. Ein Megafon ist meist alles, was zur Koordinierung und Mitteilung dient. Einige von ihnen tragen schwarze Poloshirts mit dem eingestickten Spruch „No surrender to al-qaeda“ auf der Vorderseite und dem Schriftzug English Defence League auf dem Rücken, versehen mit dem Namen der Stadt, aus der sie kommen. Eine Tendenz zur Uniformierung gibt es jedoch nicht. Oft werden Schweigeminuten für die gefallenen britischen Soldaten abgehalten. Mitgeführt werden zahlreiche Schilder und Transparente, die mit dem roten Georgskreuz versehen sind, auf denen zu lesen ist: „Islamische Extremisten raus, macht Grossbritannien sicher!“, „Es ist nicht rassistisch, gegen islamische Extremisten zu sein“, „Black and white unite“, „Der Islam wird nicht dominieren – Demokratie und Freiheit!“, „One Nation – one Law. No to sharia law in UK“, „Wir sind nicht die BNP und wir sind keine Rassisten“; „Sharia-Gesetze unterdrücken Frauen“, „Wir hassen die Nazis genauso, wie wir islamische Extremisten hassen“, „All races unite for freedom“, „Sharia-Gesetze stehen für die Exekution von Schwulen“, „Love England, hate Extremism“, „Patriotismus ist kein Rassismus“. Sie skandieren Sprüche wie „Muslim bombers off our streets“, „We love our country“, „Allah, allah, who the fuck is allah?“ oder einfach nur „England“ bzw. „EDL“ im typischen Fussball-Singsang. Sie provozieren ohne Frage gern und lassen sich auch gern provozieren. Sie aber als Hetzer zu bezeichnen, ist einfach nur böswillig. Am besten trifft auf sie wohl eine Kategorisierung als „B“-Typen zu, die die deutsche Polizei für Fußballfans eingeführt hat. Das heißt, die EDL-Anhänger sind weder immer friedlich, wofür ein „A“ stünde, noch ausschließlich auf Gewalt aus („C“), sie sind körperlichen Auseinandersetzungen also im Zweifelsfall nicht abgeneigt.

Versucht man, das EDL-Milieu subkulturell auf einen Begriff zu bringen, so kann das schon deshalb kaum gelingen, weil in Großbritannien wie sonst nirgends die Grenze zwischen einem Fussballfan der Kategorie „B“ und einem durchschnittlichen eingeborenen männlichen Briten sehr fließend ist. Die „Hymne“ der EDL, intoniert von einer Band namens Alex and the Bandits, in der es unter anderem heißt: „Ich [die EDL, S.P.] bin England bis zu dem Tag, an dem ich sterbe“, bringt diese Durchschnittlichkeit allein schon wegen des Musikstils, auf den man vermutlich wie von selbst verfallen ist, ganz gut auf den Punkt. „EDL“, so der Titel des Liedes, ist ein durchschnittliches Stück Britpop, wie man es zur Genüge von der Rüpel-Band Oasis kennt, deren Mitglieder in Großbritannien bekanntlich Superstars sind.

Zionistische Manipulation

Die Journalistin Joan McAlpine erklärte in einer ihrer regelmäßigen Kolumnen für die Sunday Times mit dem Titel „Faschismus, nicht der Islam ist unser wahrer Feind“, sie würde sich an einer Gegendemonstration gegen die EDL deshalb beteiligen, weil der „Faschismus light“ á la EDL einen „Ansatz“ verfolge, den man in Großbritannien nur zu gut kennen würde: „Sie [die EDL und ihre Ableger – S.P.] haben von der extremen Linken gelernt. Trotzkistische Gruppen mit militanten Tendenzen operierten in den 1970er und 1980er Jahren innerhalb der Labour Party, weil sie glaubten, die Öffentlichkeit sei noch nicht bereit für die Schaffung einer revolutionären Gesellschaft. Sie setzten auf ein ,Übergangsprogramm‘, das populäre Ideen beinhaltete [...]. Es ist dieselbe Taktik.“ (8.11.09) Wie viele andere Medien auch berief sich McAlpine zur Begründung ihrer Einschätzung der EDL ausdrücklich auf Searchlight: „Eine Recherche der antifaschistischen Zeitschrift ergab, dass mehrere hochkarätige EDL-Mitglieder Verbindungen zur extremen Rechten haben.“ (eben­da)

Bedenkt man, dass die Trotzkisten in England ohne jede Frage in der von McAlpine beschriebenen Art operierten, was zwar nicht zur Revolution führte, so doch aber dazu, dass sich etliche Ex-Revolutionäre bei weitem nicht nur bei Labour, der BBC oder beim Guardian heute als Gralshüter der „politisch korrekten Kultur“ verdingen, ist der Blick auf die Fakten überfällig.

Die Searchlight-Recherche gilt traditionell als akribisch: „Ein solide aussehender Mann mittleren Alters hat sich als eine der Schlüsselfiguren hinter der English Defence League herauskristallisiert. Alan Lake, ein 45-jähriger Geschäftsmann aus Highgate, North London, sieht die EDL als potenzielle ,Street Army‘, die sich gegen die, wie er behauptet, zunehmende Islamisierung im heutigen Großbritannien formiert. [...] Tatsächlich scheint Lake ein Interesse daran zu haben, eine Allianz mit allen Gruppen zu schmieden, die etwas gegen die strengen islamischen Vorschriften unternehmen wollen, seien es Lesben-und Schwulenorganisationen, andere Religionen und ethnische Gruppen oder Verteidiger der freien Meinungsäußerung. Lake möchte die Botschaft kurz und knapp [...]: Redefreiheit, Demokratie, ohne Ausnahmen Gleichheit vor dem Gesetz und bei der Tolerierung der Kulturen jeder Ideologie oder Religion.“ (hopenothate.org.uk) Aber hat die Kolumnistin McAlpine nicht behauptet, Searchlight hätte herausgefunden, dass mehrere hochkarätige EDL-Mitglieder Verbindungen zur extremen Rechten haben? Searchlight weiter: „Die EDL wird von 15 Schlüsselfiguren im ganzen Land am Laufen gehalten. Die Koordinierung untereinander erfolgt per E-Mail und Social-Networking-Seiten wie Facebook. [...] Die Gruppe behauptet zwar, offen für alle zu sein, ist aber rund um das Netzwerk der Fußballhooligans ausgerichtet. Unterstützt wird sie insbesondere von Fußball-Gangs von Luton, Aston Villa, Queens Park Rangers, Southampton, Bristol Rovers, West Bromwich Albion and Wolves.“ [i.e. das Traditionsteam Wolverhampton Wanderers, S.P.] Unter den 15 Hauptkoordinatoren hat das Antifa-Magazin zwei Personen ausgemacht, denen man Verbindungen zur extremen Rechten nachweisen kann: „Davy Cooling: Ein 26jähriger bekannter Fußball-Hooligan. Er ist BNP-Mitglied und als Interessent für die Teilnahme am BNP-Festival Red, White and Blue im August registriert. Cooling verwaltet die Luton EDL Facebook Seite. Chris Renton: ein BNP-Aktivist aus Weston-super-Mare. Renton half dabei, die EDL-Website zu erstellen. Als seine politischen Verbindungen zur BNP bekannt wurden, distanzierte sich die EDL öffentlich von ihm, er bleibt aber ein wichtiger Akteur hinter den Kulissen“ (ebenda). Über Trevor Kelway allerdings, den Searchlight als den offiziellen Sprecher der EDL ausfindig gemacht hat, kann man nur vermelden, dass er „in Interviews mit der Presse die Linie verfolgt, die EDL als eine friedliche, nicht-rassistische Organisation darzustellen“ und dass er seine Postadresse bei „Afro-Caribbean hairdressers’ in Birmingham“ habe. Noch entlastender fällt die Antifa-Recherche im Falle des „Anführers“ der English Defence Youth, der Jugendgruppe der EDL aus: „Joel Titus, 18 Jahre alt, ist gemischter Abstammung und kommt aus Harrow. Er [...] wird den Medien als Beweis für die nicht-rassistische Ausrichtung vorgeführt.“ (ebenda) Wahr scheint zu sein, dass die EDL offensichtlich ernst macht mit ihrem Anspruch, für Mitglieder aus allen politischen Spektren offen zu sein. Was jedoch eine BNP-Mitgliedschaft noch wert sein soll, die sich durch aktive Unterstützung einer Gruppierung selbst vorführt, die sich klare liberale Prämissen gesetzt hat und deshalb von den Parteigenossen der „National Socialist Movement 88 Britannia“ hasserfüllt als „multikulturell“ betitelt wird, muss das Geheimnis derer bleiben, die meinen, zugleich EDL- und BNP-Anhänger sein zu können. Die als BNP-Mitglieder überführten Renton und Cooling müssen damit leben, was ihr Parteiführer Nick Griffin über sie und ihr Engagement denkt. Über die BNP-Position zur EDL meldet Searchlight: „BNP-Führer Nick Griffin hat behauptet, dass die English Defence League von Zionisten manipuliert und angewiesen wurde, einen Krieg der Rassen anzustiften.“ (hopenotha te.org.uk) In der Erklärung, auf die sich Searchlight bezieht, heißt es außerdem, dass die BNP beschlossen habe, die EDL als „geächtete Organisation“ zu behandeln und disziplinarische Maßnahmen gegen BNP-Mitglieder zu ergreifen, die sich bei der EDL betätigen, weil die EDL „nationale und patriotische Politik in Verruf“ bringe. (bnp.org.uk/2009/10/english-defence-league) Was die BNP damit instinktiv richtig erkannt hat, kann man bei Searchlight aus ideologischen Vorurteilen heraus nur als reine Taktikerei auffassen. Eine Organisation, die sich national und patriotisch versteht, gerade weil sie niemanden auf Grund von Herkunft und Religion ausschließt, und das auch noch wie die EDL für die urenglischen Werte der Freiheit und Demokratie hält, ist Gift für die Verwirklichung des BNP-Traumes von einer ethnisch homogenen Nation, aus der alles beseitigt werden soll, was als Fremdkörper verstanden wird. Genau das macht die EDL zu einem gefährlichen Gegenspieler Nick Griffins, der sich in Wirklichkeit nichts sehnlicher wünscht als einen Krieg der Rassen, den anzustiften er einer ferngesteuerten EDL mit Vergnügen andichtet, um sich selber als Saubermann zu präsentieren.

Der EDL ist nicht nur diese Konstellation bewusst. Denn sie hat es neben der BNP noch mit zwei anderen erbitterten Gegnern zu tun. „Mitglieder der Englisch Defence League haben Morddrohungen von drei Gruppen erhalten: von islamischen Extremisten, von weißen Rassisten und irregleiteten Antifaschisten“, heißt es auf ihrer Internetseite. Vornehmlich an diese drei Adressen richtete sich eine gewöhnungsbedürftige Aktion Ende September 2009 in Luton. Man lotste diverse Medienvertreter an einen geheimen Ort, an dem 16 vermummte EDL-Mitglieder vor einem Transparent versammelt waren, auf dem in großen Lettern „Black and White unite“ geschrieben stand. Um den antifaschistischen und nicht-rassistischen Charakter der EDL symbolisch zu untermauern, positionierte man ein dunkelhäutiges Mitglied mit einem extra-weißen EDL-Shirt so, dass dessen Hautfarbe auch ja keiner Kamera entgehen konnte und verbrannte dann vor den Augen der Journalisten eine Hakenkreuzfahne mit dem kommentierenden Ruf „Lang lebe die Freiheit“. Zur Krönung des ganzen Treibens hielt man dann ein Schild in die Höhe, auf dem eine Botschaft geschrieben stand, die ein dreiviertel Jahr nach dem Gaza-Krieg nicht nur für die drei oben genannten EDL-Feinde die wohl ketzerischste ist: „We support Israels right to exist“. (www. youtube.com/watch?v=4sIamEP1LhE). Mit dieser Aussage trifft man ins Zentrum des antizionistischen Konsenses der britischen Öffentlichkeit, über den fast schon alles gesagt ist, wenn man sich die nachfolgenden Ereignisse und Fakten vor Augen führt: Ausgerechnet Nick Griffin, der seinen Parteigenossen auch schon mal die Lektüre des linken Guardian empfiehlt, um die Wahrheit darüber zu erfahren, wie George W. Bush von den Zionisten manipuliert werden konnte (6), brüstete sich Ende Oktober 2009 in der BBC-TV-Sendung Question Time damit, die „einzige politische Partei gewesen zu sein, die sich in der Konfrontation zwischen Israel und Gaza voll hinter Israels Recht im Kampf gegen die Hamas-Terroristen“ gestellt habe (youtube). An dieser Aussage ist nur richtig, dass die BNP als einzige britische Partei sich öffentlich nicht gegen das Vorgehen Israels Ende 2008/Anfang 2009 wandte und als einzige gegen die „antiisraelische Voreingenommenheit der linken BBC“ und deren berüchtigter „endlosen TV-Berichterstattung von toten oder verletzten palästinensischen Kindern“ Einspruch erhob (O-Ton Griffin). Griffin musste jedoch von den eigenen Mitgliedern erst genötigt werden, sich überhaupt zum Gaza-Krieg zu äußern, um dann in antiimperialistischer Manier zu erklären, dass dieser Krieg mit Großbritannien und mit der BNP nichts zu tun habe. In dem Papier „Israel’s Gaza Affair“ heißt es: „Einer der Kernaspekte der nationalistischen Philosophie ist, dass Großbritannien sich völlig aus dem Streit und den Kriegen anderer Leute herauszuhalten hat, es sei denn, Fragen, die für uns von nationalem Interesse sind, geben unserer Regierung das Recht, sich einzumischen. [...] Als Nationalisten, die keine Imperialisten sind, erkennen wir darüber hinaus das Recht eines jeden anderen Menschen unter der Sonne an, zu versuchen, die eigene Selbstbestimmung auf einem Fleckchen Erde zu sichern, das dessen historische und geistige Heimat ist, auf dem es die Pflicht jeder Regierung einer solchen Nation ist, seine Bürger vor Terrorismus oder Unterdrückung zu schützen [...]. Die Zerstörung Israels würde den Islam nicht wieder in einen friedvollen Schlaf zurückversetzen, sondern ihn nur dazu inspirieren, sich zu radikalisieren und einer ganz neuen Generation von Dschihad-Fanatikern signalisieren, dass die Stunde des endgültigen Sieges über die ,Kreuzfahrer‘ gekommen ist [...] (bnp.org.uk).“ Als Vorposten des Abendlandes wird Israel hier die Rolle zugeschrieben, die es in der antiimperialistischen Welterklärung schon immer spielte, vertauscht wurden von Griffin nur die Vorzeichen. Was eigentlich immer noch als Quell des globalen Übels gilt, von dem die zionistische EDL nur ein anteilig kleineres, der zionistisch manipulierte George W. Bush aber ein großes ist, wird jetzt ganz taktisch die gute Seite abgewonnen, im Kampf der christlichen Völker gegen den islamischen Imperialismus die Drecksarbeit zu erledigen und somit ausnahmsweise auch mal ganz nützlich zu sein. Eine solche „pro“-israelische Sicht beschränkt sich schon seit längerem nicht mehr nur auf Leute wie Griffin. Es sind in letzter Zeit auch in Großbritannien nicht weniger geworden, die sich unter solchen Vorzeichen als israelsolidarisch und islamkritisch verstehen. Man weiß deshalb nicht genau, wie verbreitet eine solche Sichtweise auch unter den Anhängern der English Defence League ist. Fest steht jedoch: Dass sie von linken, rechten und Moslemorganisationen gleichermaßen als Zionisten beschimpft werden, rührt offensichtlich im Gegensatz zu den Unterstützern der BNP nicht an ihrer patriotischen Ehre als Briten. Anders ließe sich sonst auch nicht erklären, warum bei den EDL-Demonstrationen neben zahlreichen Englandfahnen und Union Jacks immer auch mindestens eine Israelfahne auftaucht, die in den eigenen Reihen offensichtlich akzeptiert ist. Auch dass man die britischen Truppen aus Afghanistan und dem Irak „nach Hause holen“ müsse, wie die zentrale außenpolitische Forderung der BNP im Namen des Nationalismus lautet, die sich bis in den Wortlaut hinein in nichts von den Gruppen links von Labour unterscheidet, ist bei der EDL nicht zu vernehmen. Den offensichtlich real existierenden Unterschied zwischen EDL und BNP in der Israelfrage brachte ein Kommentar zu einem Artikel über „Die EDL und ihre zionistischen Verbindungen“ auf den Punkt, der von dem offen antisemitischen und besonders unter jungen britischen Moslems populären Muslim Public Affairs Commitee auf dessen Internetseite veröffentlicht wurde. Im Forum der Islamisten zeigte sich ein Teilnehmer mit Namen „BNP-Rassist“ empört über die öffentlich bekundete Israelsolidarität durch die EDL: „Ich frage mich, wie sie für englische Rechte eintreten können, wenn sie israelische Flaggen schwenken, denn das ist so, als würden Menschen, die für die Rechte der Palästinenser demonstrieren, Nazi-Fahnen mit sich führen“ (mpacuk. org/story).

Die Juden von heute

Die jüdischen Organisationen sind ihrerseits von der Sorge getrieben, man könne mit der EDL wegen ihres proisraelischen Auftretens in Verbindung gebracht werden. Die wichtigste jüdische Zeitung, der Jewish Chronicle, wie auch der Leiter der britischen Jewish Defence League, Jacob Pres, legen Wert darauf, die EDL als „UK fascists“ bzw. als „neanderthal anglo saxons“ abzuqualifizieren. (7) Damit unterscheiden sie sich erst einmal in nichts vom Rest der britischen Öffentlichkeit. Dass ein Motiv für diese Durchschnittlichkeit auch in einem gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahre liegen könnte, beschreibt eine islamkritische Jüdin so: „In Großbritannien ist die Vorstellung von den Juden als Opfer so gut wie erloschen. Diesen Platz hat heute die Islamophobie‘ eingenommen. Während die Juden als Nazis diffamiert werden, gelten die Palästinenser als die ,neuen Juden‘.“ (8) Diese Einschätzung deckt sich mit den Ergebnissen des „Antisemitic Discours Report“ aus dem Jahr 2008, der vom Community Security Trust (CST), einer Organisation zum Schutz der jüdischen Bevölkerung, die 300.000 bis 350.000 Menschen zählt, herausgegeben wurde. Dort wird mit Bezug auf die zahlreichen Boykottaufrufe gegen Israel an britischen Universitäten und von britischen Gewerkschaften folgendes Fazit gezogen: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die anti-israelischen Boykotte die Angst vieler britischer Juden anwachsen lassen, ihre Freiheit wäre davon abhängig, ob ihr Einfluss oder ihre Verantwortung auf bzw. für einen Konflikt in Übersee außer Frage steht.“ (thecst.org.uk) Man sollte sich deshalb nicht wundern, warum der CST-Vorsitzende Mark Gardner im Angesicht der Israel-Fahne auf EDL-Demonstrationen nur eine Sorge kennt: „Es ist sicherlich eine sehr negative Entwicklung für die israelische Flagge, wenn sie als eine Art Metapher für anti-muslimisches Verhalten dient“ (Jewish Chronicle, 10.9.09). (9)

Für die britische Linke ist die Mogelpackung Nick Griffins, die BNP stünde hinter Israel, nicht nur Beleg für die Nähe von EDL und BNP, sondern überhaupt dafür, dass der rassistische Zionismus sich gut mit der grassierenden Islamophobie in Grossbritannien vertrüge. Eine Organisation, die zu den „Lieblings“-Gegnern der EDL gehört, weil sie überall im Land die Proteste gegen ihre Demonstrationen organisiert, ist die Unite Against Fascism (UAF). Die Gruppierung, die aus dem Büro des für seinen fanatischen Antizionismus bekannten Londoner Ex-Bürgermeisters Ken Livingstone operiert und deren Aktivitäten von einer Handvoll erfahrener Kader aus trotzkistischen Vorfeldorganisationen wie der Anti Nazi League bzw. direkt von Mitgliedern der SWP koordiniert werden, gilt in Großbritannien weithin als anerkannte Institution in Sachen Antifaschismus und Antirassismus. Ihre Popularität verdankt die Organisation dabei dem weit verbreiteten Mythos, die britische Linke hätte sich historisch besondere und entscheidende Verdienste beim Kampf gegen Faschismus und Nationalsozialismus erworben. Ihr ist es gelungen, trotz ihres totalen Versagens in den 1920er bis 1940er Jahren, das Monopol auf den Antifaschismus und Antirassismus an sich zu reißen und damit auch weitestgehende Definitionshoheit darüber zu erobern, was und wer heute als faschistisch oder rassistisch gilt. Der Antifa-Mythos gründet insbesondere auf der Mär, dass es die Massenmobilisierung durch die Linke gewesen wäre, die entscheidend den Aufstieg der Mosley-Faschisten verhindert hätte und Großbritannien damit das Schicksal Deutschlands und Italiens ersparte. (10) Bei der UAF klingt das dann gegen die EDL gerichtet so: „Wenn wir zusammen handeln, werden wir die Nazis [gemeint ist die EDL, S.P.] besiegen wie wir in den Dreißigern die British Union of Fascists besiegt haben.“ (uaf.org.uk)

In den Protestaufrufen gegen die EDL taucht ein Textbaustein immer wieder auf: „Islamophobie – Intoleranz gegen Muslime – ist genauso inakzeptabel wie jede andere Form von Rassismus. Er spaltet und schwächt unsere Gesellschaft, indem sie Muslime zum Sündenbock einer Gemeinschaft macht wie Hitlers Nazis es gezielt mit den Juden in den 1930er Jahren taten. Heute droht die EDL Muslimen, morgen kann es Juden, Hindus, Sikhs, schwarze Menschen, Lesben und homosexuelle Männer, Touristen oder Osteuropäer treffen.“ (ebenda) Die Tragweite dieser Lüge lässt sich nur ermessen, wenn man sich zugleich vor Augen führt, dass das komplette SWP-Umfeld inklusive solcher Organisationen wie die UAF eine Sympathie für den Islam hegt, die die Mussolini-Euphorie der amerikanischen Linken der 1930er noch übertrifft. Ein Augenzeuge berichtet: „Die Konferenz Marxism 2006 der Socialist Workers Party stand ganz im Zeichen der Nähe zum Islam. Unzählige Redner forderten: ,Defend the Muslims‘ und bekamen dafür laute Ovationen, mit einer Begeisterung, wie sie – außer Palästina – kaum ein anderes Thema zu erzeugen vermochte. Redner auf der Abschlussveranstaltung war auch Azzam Tamimi. Dieser bekannte vor den Hunderten SWP-Anhängern: ,I’ve been a member of the Muslim Brotherhood all my life. I am a staunch supporter of Hamas. And I am proud of it.‘ Die Reaktion des Publikums war eine Woge der Begeisterung. Fast alle Anwesenden standen zum Beifall auf, laute Jubelrufe durchdrangen den Saal.“ (11) Mit einer solchen Ausrichtung agiert auch die UAF – und das mit großem Erfolg. Auf der UAF-Unterstützerliste findet sich nicht nur der obligatorische Abgeordnete George Galloway, der von einem neuen arabischen Nasser träumt, und dessen Partei Respect – der ersten institutionalisierten Gruppierung, in der Linke und Islamisten ganz offiziell in einer Organisation zusammenarbeiten und die unter anderem von dem Filmemacher Ken Loach und dem Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter unterstützt wird – sondern auch unzählige Parlamentarier, Gewerkschaften und deren Funktionäre sowie Bands wie die Chemical Brothers, Franz Ferdinand und sogar der Sänger Morrissey. Als wäre das noch nicht genug, zeigt sich erst das ganze Ausmaß des UAF-Einflusses, wenn man festgestellt hat, dass man seinen Augen trauen kann: Unterstützt wird die UAF auch vom womöglich künftigen Premierminister Großbritanniens, dem Spitzenkandidaten der Tories (!), David Cameron. Und das ist längst nicht alles an Scheußlichkeiten. Ganz zur Freude der UAF entblödete sich Mitte September 2009 der zuständige Staatssekretär für Communities und Lokales, John Denham, nicht, die EDL als eine neue Form des Mosley-Faschismus zu bezeichnen (Guardian, 11.09.09). Die EDL ihrerseits nahm das zum Anlass, dem Staatssekretär Nachhilfe in Geschichte und Ideologiekritik zu geben: „Sir, Ihre Beschreibung der English Defence League als ,rechts‘ und ,faschistisch‘ ist verlogen. Faschismus ist eine politische Theorie, die sich in Opposition zur liberalen Demokratie versteht und eine enge ideologische Nähe zum radikalen Islam aufweist.“ (englishdefence league.org) Es bleibt die Frage, was die britischen Verantwortlichen und ihre Helfer bei der Diffamierung der EDL und ihres Problembewusstseins antreibt. Darauf hat man innerhalb der EDL eine hellsichtige Antwort parat. Gegenüber dem Telegraph sprach ein Mitglied der Gruppe die Wahrheit über den traurigen Zustand der britischen Gesellschaft aus, die eine Analyse über weite Strecken erspart: „Um mit (uns) fertig zu werden, ist es der einfachste Weg, uns als Nazis zu etikettieren.“ (10.10.09)

Sören Pünjer (Bahamas 59/2010)

 

Anmerkungen:

 1) Ein Gerichtsurteil von 2009 untersagte der BNP diese Einschränkungen unter Verweis auf die Diskriminierung, was an deren Selbstverständnis jedoch nichts ändert. (Independent, 16.10.2009)

 2) vgl. http://de.danielpipes.org/3750/aerger-in-londonistan

 3) Zum Leidwesen von Faschisten und Linken gelang es Churchill mit dieser Rede vom 13. Mai 1940, die Menschen förmlich zu elektrisieren. In ihr heißt es u.a.: „Ich habe nichts zu bieten außer Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“. Churchill beschwor in dieser Rede, dass es im Falle einer Niederlage gegen die Deutschen und ihre Verbündeten „kein Weiterleben für das Britische Weltreich und all das, wofür es eingetreten ist“, geben werde.

 4) Es war die „Dünkirchen-Rede“, die Churchill wenige Tage später (am 20. August 1940) vor dem britischen Unterhaus hielt, in der er u.a. die berühmten Worte sprach: „We shall never surrender“.

 5) Vgl. Peter Ulrich: Die Linke, Israel und Palästina, Berlin 2008, S. 230: „Damals [vor den Anschlägen – S.P.] wies auch noch das antifaschistische Magazin Searchlight auf die Ähnlichkeiten zwischen Islamismus und Faschismus hin.“

 6) Vgl. Melanie Phillips: Londonistan, London 2006, S. 201

 7) Jewish Chronicle vom 10.09.2009 und www.pro-pakistan.com/2009/09/06/fascists-of-english-defence-league

 8) Melanie Phillips, a.a.O., S.211

 9) In derselben Ausgabe distanziert sich auch die israelische Botschaft in Großbritannien vom Zeigen der Israel-Fahne auf EDL-Demonstrationen. Deren Tonfall kann man noch am ehesten als Diplomaten-Jargon interpretieren: „Ein Sprecher der israelischen Botschaft sagte: ,Es ist erschreckend, die Flagge Israels durch Schergen missbraucht zu sehen, die Gewalt und Spannungen zwischen den Volksgruppen anheizen. Die Israel Fahne ist ein Symbol des 2000 Jahre währenden Kampfes des jüdischen Volkes gegen Rassismus und darf nicht von Rassisten und Extremisten, egal welcher Art, missbraucht werden’.“

 10) Nicht nur lässt man heute gern unter den Tisch fallen, dass die Mosley-Faschisten sich von den Nazis durch einen verhältnismäßig gering ausgeprägten Antisemitismus unterschieden und die Anti-Empire-Positionen der Linken weitgehend teilten. Auch die Ereignisse im Oktober 1936 in der East-Londoner Cable Street, die als der entscheidende Schlag gegen die Mosley-Anhänger bis heute gefeiert werden, in dessen Verlauf sich 100.000 Menschen gegen einen Aufmarsch von 1.900 Faschisten stellten und auf denen die britische Linke ihren Antifa-Ruhm gründet, hatten keineswegs zum Ergebnis, was heute jeder glaubt: „Die Mosley-Bewegung gewann im Oktober und November 1936 neue Anhänger und konnte ihren politischen Einfluss in den östlichen Stadtteilen Londons ausweiten. […] Es muss daher betont werden, dass erst die Verabschiedung des Public Order Act Ende 1936 zu einem nachhaltigen Rückgang der Mosley-Bewegung führte, da dieser durch das generelle Verbot paramilitärischer Verbände ein zentrales Instrument ihrer Propaganda entzogen wurde.“ (Arnd Bauerkämper: Die „radikale Rechte“ in Großbritannien, Bielefeld 1991, S. 210f.)

 11) Peter Ulrich, a.a.O. S., 220