Antisemitischer Überfall auf dem Karneval der Kulturen in Berlin

 

Zwei unterdrückte Nachrichten:

1. Am 30. Mai 2004 haben gut 30 militante Antisemiten ganz offiziell unter dem Namen „Aktionsbündnis Mumia Abu-Jamal“ am Kreuzberger „Karneval der Kulturen“ mit einem eigenen Wagen teilgenommen.

2. Die Mitglieder und Freunde dieses Aktionsbündnisses, die sich selber auch „antizionistische Aktion“ nennen, nutzten den Karnevalsumzug dazu, zwei Freunde Israels zu überfallen, den einen zusammenzuschlagen und den anderen mit einem Messer zu verletzen.

 

Karneval mit Mumia

 

Wie jedes Frühjahr wurde auch 2004 in Massenauflage das Programm des Karnevals der Kulturen mit den darin enthaltenen Selbstdarstellungen der beteiligten Gruppen verteilt. Über 70 Initiativen waren beim größten Umzug der Hauptstadt mit einem Wagen, viel Krawall und ihrer je eigenen völkischen Ideologie beteiligt. Allen gemein ist die Klage über den „Verlust an Artenvielfalt bei Pflanzen, Tieren und Menschen“. Der Karneval der Kulturen demonstriere gegen eine „Gleichmacherei“ der Gattung Mensch und für die „Bewahrung kulturellen Erbes“. Unter A führt das „Who is Who“ unter anderen das „Aktionsbündnis Mumia Jamal“ auf, das versprach, mit einem „Mumiawagen mit DJ Wolf (Shrine-Berlin), den Soundpiraten und Philharmonie“ zur Beschallung beizutragen. Über seine Ziele verlautbart dieses Bündnis: „1981 wurde der afroamerikanische Journalist und Schriftsteller wegen Mordes an einem Polizisten verhaftet und im Sommer 1982 in einem manipulierten Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Seither sitzt er in der Todeszelle. Das Berliner Bündnis macht mit seinem Wagen auf die Unterschriftenaktion zur Wiederaufnahme seines Prozesses aufmerksam.“ Wer nun glaubt, es handele sich bei der Mumia-Solidarität um eine karnevalistische Kultur des Kampfes gegen die Todesstrafe und für faire Prozeßführung, der irrt. Seit Jahren ist die Solidarität mit dem Rastahaare tragenden Delinquneten in einem amerikanischen Gefängnis und der Aufruf zum weltweiten Jihad gegen die USA und insbesondere Israel nicht mehr zu trennen. Der unbeugsame Gefangene, die Ikone des Protestes, der Märtyrer, der stellvertretend für alle Entrechteten und Gedemütigten leidet, Mumia Abu Jamal persönlich gibt dem Protest die Richtung. Jamal, dem sicherlich zu wünschen ist, daß er von der Vollstreckung der Todesstrafe verschont bleibt, ist keineswegs nur Opfer der US-Justiz, sondern seinerseits ein Täter. Dank der US-amerikanischen freedom of speech kann er aus dem Hochsicherheitstrakt heraus schreiben, was er denkt. Der Ehrenbürger von Paris nutz diese Freiheit zur Abfassung von Mordaufrufen. Zum Mord an Juden, zum Mord an Amerikanern, zum Mord an sogenannten Kolonialisten und anderen weißen Männern und Frauen. Seine Texte erscheinen weltweit in antisemitischen Gazetten wie der Tageszeitung junge Welt oder in entsprechenden Networks der No-Global-, der Antirassismus- oder Islamistenbewegung. Mumia Abu Jamal, stolzer Vertreter der rassistischen Black Power-Bewegung, ist ein wütender Anwalt der Sache der „Schwarzen“. Als Schwarze gelten in seinen Aufsätzen keineswegs nur seine afroamerikanischen Mitbürger in den USA, schwarz sind für ihn darüber hinaus alle Bewohner Afrikas, aber auch alle anderen, die eine dunklere Hautfarbe haben als die Mehrheitsbevölkerung in Mitteleuropa oder den USA. „Der Schwarze“ erscheint in solcher Ideologie als ewiges Opfer, ob nun von „Weißen“, der Kolonialisierung, der Polizei, des Staates, des Imperialismus oder des Rassismus.

 

Jüdischer Holocaust am arabischen Volk?

 

Einen ganz prominenten Stellenwert kommt unter den vielen schwarzen Völkern der Welt dem arabischen zu, dessen „Freiheitskampf“ gegen die USA und Israel Abu Jamal lautstark unterstützt. Daß er damit dem Arabismus als den weltweit wohl konsequentesten und am grausamsten agierenden Rassenchauvinismus bedient, daran nehmen seine Fans keinen Anstoß. Wen interessiert es schon, daß aktuell im Sudan moslemische Araber im Zeichen von Islam, Rassenstolz und kultureller Überlegenheit nicht nur gegen christliche, sondern auch gegen moslemische Schwarzafrikaner einen Vernichtungskrieg führen?

Mit Mumia interessieren sich auch seine Bewunderer für „die“ Araber allein als die vermeintlichen Opfer Israels, dem „Vorposten des Westens“, der wie die USA das „an sich“ harmonische und autochthone Zusammenleben der arabischen Massen permanent stören würde. Kein Wunder, daß Jamal das stehende Heer zum Kampf für die arabische Sache, die Palästinenser, fast zu einer Art Herrenvolk erklären kann, ohne daß ihm dafür ein Rassismusvorwurf ereilen würde: „Die Palästinenser sind ein schönes, tapferes, angriffslustiges und zugleich umzingeltes Volk (...), das in die sandige Erde seiner palästinensischen Heimat gestampft wird“. (junge Welt, 04.05.02) Jamals Eintreten für „die“ Araber geht so weit, daß er der deutschen Tat an den Juden eine jüdische an den Arabern gleichberechtigt an die Seite stellt. Unter der eigentlich schon alles weitere ausplaudernden Überschrift „Blitzkrieg in Palestine“ schrieb er 2001, ein halbes Jahr nach Ausbruch der sogenannten Al Aksa Intifada, das: „Wovon die Welt gerade Augenzeuge wird, ist die dunkle Nacht palästinensischer Hoffnungen, die Dämmerung ihrer Träume, die größte Bedrohung ihrer nationalen Wünsche. Sie beobachtet einen ironischen Pendelschlag der Geschichte, der ein Volk, dessen Angehörige einst die Objekte einer einen ganzen Kontinent erfassenden Erniedrigung waren, in jene verwandelt, die heute die Beherrscher, die Herren und die Erniedriger eines anderen Volkes sind. (...) Sie träumen von einem araberfreien(!) Israel. Was für eine historische Ironie für ein Volk, deren Angehörige vor ein paar Jahrzehnten das Objekt einer arischen judenrein-Politik war. (Im englischen Original: ,objects of an Aryan judenrein (or Jew-free) policy.“) Für die Araber ist ihre Präsenz ein Alptraum.‘ Das war nur eine Kostprobe aus einer Veröffentlichung von awol.objector. org. Man gehe ins Netz, gebe „Mumia Abu-Jamal“ und „Israel“ oder „Juden“ ein und man wird duzende von Mumia-Texten in allen europäischen Sprachen finden, alle geeignet, den arabischen Vernichtungswunsch gegen Israel in einen edlen Befreiungskampf umzudeuten.

 

Wer organisiert die Mumia-Solidarität?

 

Federführend in der Mumia-Solidarität in Deutschland ist eine Gruppe maoistisch orientierter Leute sowohl deutscher wie islamisch-migrantischer Herkunft, die in den 90er Jahren als Revolutionäre internationale Kommunisten (RIM), dann als Revolutionäre Kommunisten (RK) in Erscheinung traten und seit geraumer Zeit unter dem Namen Volkswiderstandsbewegung der Welt (World People’s Resistance Movement) firmieren. Diese Gruppe, die regelmäßig für revolutionäre Kreuzberger 1. Mai-Demonstrationen einsteht, mit der Parole „fight the power“ auf sich aufmerksam macht und insbesondere in den Berliner und Hamburger Szene-Stadtvierteln den revolutionären Volkswiderstand entfachen will, ist keineswegs nur Sammelbecken unangenehmer Spinner, sondern eben auch eines für brandgefährliche Schlägertypen. Schlägertypen, die sich in St. Pauli, dem Karolinen- und Schanzenviertel in Hamburg und in Berlin-Kreuzberg und teilweise Neukölln als Kiezmiliz gegen „Zionisten“ und „Judenfreunde“ aufführen. Ihre gefährlichste Waffe ist das Bündnis mit verhetzten arabischen Jugendlichen aus dem Streetgang-Milieu, deren Gewaltbereitschaft der von neonazistischen Aktivisten durchaus vergleichbar ist.

 

Was passierte genau?

 

Am 30.05.2004 gegen 17.00 Uhr zog der „Mumiawagen“ als Bestandteil des „Karnevals der Kulturen“ inmitten eines Menschengewühls durch die Hasenheide. Der Mumia-Wagen wurde von gut dreißig jungen Männern, darunter eine Mehrheit arabischer aber auch türkischer Jugendlicher, die wie eine Security-Mannschaft beim VIP-Besuch miß­trauisch um sich blickten, begleitet. Unter diesen Männern stach einer besonders unangenehm ins Auge. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Antizionistische Aktion“. In der Menge am Straßenrand befanden sich auch fünf Antifaschisten, die dergleichen Nazi-Parolen weniger gut finden. Zwei von ihnen riefen dem T-Shirt-Träger zu, was sie von ihm hielten: Er sei ein Antisemit und solle sich verpissen. Das war sicher richtig und mutig nur leider ziemlich unbedacht, denn die fünf wurden daraufhin sofort vom Mumia-Mob angegriffen. Zwei von ihnen konnten sich dem Zugriff nicht mehr durch Flucht entziehen. Den einen traktierten sie solange mit Faustschlägen, bis er zu Boden ging und dort von acht jungen Männern mit Fußtritten gegen den Kopf traktiert wurde. Der andere bekam einen Messerstich in die Hüfte. Der erste erlitt Hämatome am ganzen Körper und eine Gehirnerschütterung, der Messerstich, der den anderen traf, erwies sich zum Glück als nicht lebensgefährlich.

 

Kiezkrieg im Bündnis mit der „arabischen Straße“

 

Dieser Vorfall ist nicht der erste, wohl aber der schwerste aus einer ganzen Reihe von Aktivitäten, die alle mit dem Namen RK verbunden sind:

Am Abend des 10. April 2002 wurde von einigen Aktivisten der RK, verstärkt durch eine Gruppe arabischer Jugendlicher, eine Veranstaltung der Redaktion Bahamas in Neukölln, die sich gegen den unheimlichen Aufmarsch palästinensischer Nationalisten und deutscher Linksnazis am sogenannten Tag des Bodens aussprach, angegriffen. Dabei kamen Schlagstöcke, Totschläger und ein Butterfly-Messer zum Einsatz. Fazit: Ein durch gezielte Knüppelschläge erheblich Verletzter und Glasbruch.

Am 28. Juni 2003 kam es in Kreuzberg gegen Ende des alternativen Christopher Street Day zu Angriffen und Bedrohungen gegenüber israelsolidarischen Teilnehmern durch deutsche und migrantische Jugendliche, die aus dem Umkreis der RK und der Mumia-Soli­darität stammen. Man kenne, so einer der einschlägig bekannten Möchtegern-Kiez-Milizi­onäre, die antideutschen und andere Zionisten gut und wüßte, wenn sie sich wieder in Kreuzberg für Israel aussprächen, wie mit ihnen zu verfahren sei. Sprach’s und präsentierte Messer und Schlagstock.

Im August 2003 stürmten ca. 20 vermummte Personen an einem lauen Sommerabend auf den Kreuzberger Heinrichplatz, skandierten Parolen wie „Tod Israel“, „Palästina, das Volk wird dich befreien“ oder „Zionisten raus“ und verbrannten eine israelische Fahne. Zeugen dieser Manifestation waren mindestens 200 Leute, die, vor den umliegenden Kneipen sitzend, das Geschehen offensichtlich als einen Ausdruck des Karnevals der Kulturen goutierten.

Am 31. Januar 2004 griffen in Hamburg RK-Kader und deren Sympathisanten ungestört unter „Juden raus“-Rufen Freunde Israels aus einer Antifa-Demonstration heraus an, an der sie nach dem Angriff ungestört weiter teilnehmen konnten.

Am 24.04.2004 haben in Hamburg Mitglieder und Sympathisanten der RK die ca. 200 Teilnehmer einer Demonstration, die für Israel und gegen den europäischen Antisemitismus Stellung nahm, mit Farbeiern, Flaschen und Steinen beworfen und mit antisemitischen und islamistischen Parolen beschimpft. Die Gewalttäter agierten aus einem antisemitischen Mob heraus, der aus immerhin 150 Personen bestand und fast die gesamte Hamburger Linke repräsentierte, der bis heute dazu nur einfällt, daß die Angegriffenen doch selber Schuld seien, schließlich hätten sie ja die Angriffe mit ihrer Pro-Israel Position „provoziert“.

 

Linkes Pack verträgt sich

 

Eine Gruppe, die in Berlin aus etwa 20 Personen besteht, und wenn sie ihre arabische Genossen aufwiegelt auf nicht mehr als 50 Personen anwächst, müßte doch eigentlich davon abzubringen sein, antisemitische Gewaltakte zu verüben. Das denken Sie sich, liebe Leserin, lieber Leser dieser Flugschrift, die Sie solche Umtriebe hoffentlich verurteilen. Allein so einfach ist es nicht. Die genannte Gruppe, als harter Kern des linken Antisemitismus, steht in Berlin genauso wie in Hamburg im Bündnis mit Kreisen, die man nicht als offen gewalttätig oder antisemitisch agierend kennt. Nehmen wir die Antifaschistische Linke Berlin (ALB), ein personenstarkes umtriebiges Spaltprodukt der im letzten Jahr aufgelösten Antifaschistischen Aktion Berlin (AAB). Die ALB steht bisher in schöner Regelmäßigkeit im Bündnis mit den Linksnazis von den RK. Das war am 1.Mai 2004 so, als sich am frühen Abend die beiden bis dahin getrennt marschierenden Demonstrationszüge von RK und ALB am Kottbusser Tor zur gemeinsamen Abschlußkundgebung vereinigten. Und das ist heute noch so, denn nicht nur die ALB, sondern auch die No-Global-Gruppe Fels und noch ein ganzer Rattenschwanz von Antifa- und Antira-Initiativen rufen im Bündnis mit den RK zur Demonstration zur NPD-Zentrale in Köpenick und dem Abschiebeknast in Grünau am 6. Juni auf.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, wo die Mehrheit der jüngeren Mitglieder und Sympathisanten der RK sich regelmäßig trifft: Es ist das Jugendzentrum TEK in der Oranienstraße, das vom Bezirksamt für Jugend und Sport Friedrichshain-Kreuzberg betrieben wird. Ein Jugendzentrum, in dem Sozialarbeiter angestellt sind, die der notorisch israelfeindlichen alt-autonomen Szene Kreuzbergs zugehörig sind oder waren und die sehr genau wissen, welche Klientel sie da animieren, ohne auch nur einen Versuch zu unternehmen, deren Vernichtungswunsch gegen Israel entgegen­zutreten. Wir weisen auch darauf hin, daß in den Häusern rund um den Heinrichplatz seit Monaten immer wieder die Mordfahnen des palästinensischen Volkes gehißt werden und zwar von Mitgliedern und Sympatisanten der RK. Nimmt daran in einem Bezirk, in dem jeder, der ein Symbol des jüdischen Staates oder der jüdischen Religion trägt, sich den Nachstellungen und Handgreiflichkeiten nicht nur islamischer Jugendlicher kaum erwehren kann, eigentlich noch jemand Anstoß?

 

Wir sind neugierig,

– ob sich die Ausrichter des „Karnevals der Kulturen“, die Neuköllner Werkstatt der Kulturen und das Zentrum für interkulturelle Kunst und Kommunikation, vom „Mumia-Wagen“ und den von ihm ausgehenden Gewalttaten distanzieren;

– ob sich Marieluise Beck, die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, die zusammen mit dem Berliner Oberbürgermeister die Schirmherr­schft übernommen hat sowie die Karnevalsfinanziers aus Senat und Berliner Wirtschaft sich gegen den antisemitischen Überfall erklären;

– ob das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg weiterhin duldet, daß ein von ihm finanziertes Jugendzentrum als Treffpunkt antisemitischer Kiezmilizen genutzt wird;

– ob die Berliner Linken und Linksradikalen weiterhin gemeinsame Sache mit dem antisemitischen Volkssturm von den RK machen;

– ob der links drapierte Vernichtungswunsch gegen Israel endlich öffentlich diskreditiert wird, oder die Untaten des sich immer deutlicher abzeichnenden Bündnisses deutscher Atiimperialisten mit palästinensischen und offen islamischen Djihadisten schon bald Alltag auf nicht nur Berliner Straßen sein werden.

 

Berlin, 01. Juni 2004

Redaktion BAHAMAS

 

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